Gedenkstätte 1962 -1988
Anstaltsfriedhof - Gedenkstätte I - Gedenkstätte II
Der
ehemalige Anstaltsfriedhof
wurde 1962 von der Pfarre St. Mariae
Himmelfahrt als Ehrenfriedhof und von der Gemeinde Schwalmtal 1988 als
Gedenkstätte für die Opfer des
nationalsozialistischen
„Euthanasie-Programms“ eingeweiht. Die Patenschaft
wurde der Hauptschule, heute Europaschule Schwalmtal, übertragen.
Auf dem Anstaltsfriedhof Waldniel-Hostert wurde bis 1951 beerdigt. Unter den Franziskanern von 1912 bis 1935 wurden im Durchschnitt jährlich 12 Personen bestattet. In der Zeit zwischen 1939 und 1943 zählte man 512 verstorbene Patienten, darunter 97 Kinder der „Kinderfachabteilung Waldniel“.
Gedenkstätte 1
Da die Pfarre St. Mariae Himmelfahrt die Anstaltskapelle seit 1947 als Kirche nutzte, war es verständlich, dass man 1958 vom Bund den nicht mehr gepflegten Friedhof zur eigenen Nutzung erwarb. Jedoch stellte sich dann heraus, dass er „überbelegt“ war und wegen der Einhaltung der Ruhefristen keine Beerdigungen vonseiten der Pfarre vorgenommen werden durften. Daher wurde 1962 die Friedhofsparzelle mit großem Aufwand als Ehrenfriedhof gestaltet und ein Hochkreuz als Ehrenmal errichtet. Totensonntag 1962 wurde die Gedenkstätte eingeweiht. 1980 wurde das Hochkreuz in den Pfarrgarten hinter die neu erbaute Kirche an der Waldnieler Heide versetzt und zwei Jahre später mit zwei Gedenktafeln versehen. Eine erinnert an das Leiden und Sterben der geistig Behinderten in der Anstalt: „Den unschuldig Ermordeten, St. Josefsheim Hostert, 1939-1945“.

Gedenkkreuz Waldniel-Hostert, Tafel von 1982
Gedenkstätte 2
Anfang 1986 beschloss der Jugend-, Jugend-, Kulturausschuss
der
Gemeinde Schwalmtal einstimmig auf einen Bürgerantrag hin,
diesen
Friedhof von der Pfarre zu pachten und als Gedenkstätte
für
die Opfer der „Nazi-Euthanasie“ herzurichten. Die
Patenschaft für die entstehende Gedenkstätte wurde
Anfang
1987 der Hauptschule Schwalmtal, heute Europaschule, übertragen.
Die Schüler der 9b beteiligten 1987 sich mit großem
Einsatz
an den Arbeiten zur Herrichtung
der Gedenkstätte. Zusammen mit
ihrem Klassenlehrer Peter Zöhren machten sie sich in Klasse 10
daran, die Geschichte der Anstalt und ihrer Bewohner zu erforschen.
Daraus entstand zunächst Frühjahr 1988 im Rahmen
einer
Projektwoche eine Plakatwand,
die im Bürgerhaus der Gemeinde und
dann auch im Kreishaus in Viersen der Öffentlichkeit
vorgestellt
wurde.
In demselben Jahr wurde die reich bebilderte Broschüre
über
die Anstalt in Hostert, die Arbeit der Franziskaner, die
„Kinderfachabteilung“ und das
„Euthanasie-Programm“ der Nazis gedruckt. Das Heft
wurde
2005 im Heilpädagogischen Zentrum Krefeld-Kreis Viersen neu
aufgelegt. Die Broschüre ist zu einem Preis von 2 €
zu
beziehen beim Autor (s. Impressum), beim Bürgerservice im
Rathaus
und in der Hauptschule, Schulstr. 50.
Am Eingang zur Gedenkstätte informiert eine Bronzetafel den Besucher:

Bronzetafel, Gedenkstätte Waldniel-Hostert, 1988
Die Inschrift auf dem Kissenstein "Den unschuldigen Opfern" ist den kleinen und großen Patienten gewidmet, die in Waldniel-Hostert gestorben sind bzw. in der Kinderfachabteilung ermordet wurden.

Gedenkstein, Gedenkstätte Waldniel-Hostert, 1988
Am 26. November 1988 wurde die Gedenkstätte in einer Feierstunde, begleitet von Presse und Fernsehen, der Öffentlichkeit übergeben. Den musikalischen Rahmen gestaltete ein Bläserensemble unter Heribert Prell. Anwesend waren zahlreiche Bürger, Mitglieder des Gemeinderates und der Verwaltung, der Lebenshilfe Viersen, Heinsberg und Neuß, des Arbeitskreises Hephata, Mönchengladbach, Schüler der zehnten Klassen der Hauptschule und die bereits entlassenen Schüler des Jahrgangs 87/88, die Schulleiter der Schwalmtaler Schulen und der benachbarten Windsor-School (bislang Kent-School). Hubert van Horrick begrüßte als Schulleiter der mit der Patenschaft betrauten Hauptschule namentlich Bürgermeister Jacobs und Gemeindedirektor Hutzler, Pastor Goedeking, Pastor Koerschgens, den leitenden Arzt Dr. Poeppe und den Verwaltungsdirektor Müller der psychiatrischen Klinik des LVR in Viersen-Süchteln, den Vorsitzenden des Landesverbandes der Lebenshilfe für geistig Behinderte Speck und Schulamtsdirektor Smets. Auszüge aus den Ansprachen von Bürgermeister Jacobs, Pastor Goedeking und dem Landesvorsitzenden Speck finden sich im Archiv, Fotos in der Galerie.

Gedenkstätte Waldniel-Hostert, 27. Januar 2006
1996 regte der damalige Bundespräsident Herzog an, den Tag der Befreiung von Auschwitz als Gedenktag für die Opfer des Nazi-Terrors zu begehen. Am 27. Januar gedenken seitdem Schüler und Lehrer der Hauptschule Schwalmtal alljährlich auf der Gedenkstätte Hostert in einer öffentlichen Gedenkstunde der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, insbesondere der in der Kinderfachabteilung Waldniel ermordeten kleinen Patienten (Weiteres unter Archiv).

Ehrendomherr Dr. Besgen, Gedenkstätte waldniel-Hostert, 2004
Die Pfarre St. Mariae Himmelfahrt hält ebenso die
Erinnerung wach, indem sie jedes Jahr Fronleichnam
auf der
stillen Stätte feiert.