Waldniel-Hostert nach 1952

Eigentümerwechsel

1952 wurde die „Enteignung“ des Ordens durch die Nazis rückgängig gemacht. Die Franziskanerbrüder von Waldbreitbach, jetzt die Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz,  konnten Hostert von der Provinzialverwaltung (LVR) zu einem angemessenen Preis zurückkaufen. Ein Festgottesdienst wurde in der Anstaltskirche gefeiert, die seit 1947 als Kirche des in diesem Jahre errichteten Rektorats St. Mariae Himmelfahrt Hehler diente. Die Pfarrangehörigen hofften umsonst auf die Rückkehr der Brüder. Der Orden war nämlich nicht mehr in der Lage, das St. Josefsheim wie zuvor zu führen, zumal die britischen Besatzungsmacht im Juli 1951 die meisten Gebäude beschlagnahmt hatte und als Lazarett nutzte. Daher verkauften die Franziskaner 1955 die Gebäude an die Bundesrepublik Deutschland. Die wiederum vermietete sie an die Engländer, die sie noch 37 Jahre lang nutzten. Die zur Anstalt gehörigen Ländereien, darunter auch den Friedhof, verkaufte der Bund  an die katholische Ortspfarre St. Michael in Waldniel.

BMH Hostert

Im Hardter Wald wurde am 1. Juli 1953 der Grundstein für das „Hauptquartier“ gelegt. Da viele weitere militärische Einrichtungen in den hiesigen Raum verlegt wurden, war ein großes britisches Krankenhaus vonnöten. Bevor die Briten die Gebäude in Hostert als „British Military Hospital Hostert“ nutzten, wurde umgebaut und angebaut.

Luftbild Royal Air Force Bruggen
Luftbild Kent-School

Die Aula der Franziskaner wurde abgerissen. Die beiden zurückliegenden Blöcke von 1913, die Schule mit dem Haus für die schulpflichtigen Jungen und das benachbarte Pflegehaus, wurden durch zwei moderne mehrstöckige Flachdachbauten (Foto) verbunden. Es entstand 1956/57 eine moderne Polyklinik mit zwei OP-Räumen, Kreißsaal und chirurgischen, inneren, pädiatrischen und psychiatrischen Abteilungen. Fast sieben Millionen D-Mark, so eine Ortschronik, wurden verbaut.

 

Übersichtskarte 2017

Auch wurden neben dem Anstaltsfriedhof auf dem ehemaligenSportplatz vier Häuser für britische Soldatenfamilien errichtet. Dabei stellte sich aufgrund von Knochenfunden heraus, dass auch auf diesem Gelände Patienten bestattet worden waren, die  in der Zweigstelle Waldniel während der Kriegszeit verstorben waren. In der Übersichtskarte (links) sind der Anstaltsfriedhof und die Gebäude aus der Zeit der Franziskaner gekennzeichnet.

 

Kent School Hostert

Kent School 1987 Foto Zöhren
Eingang, früher NS-KFA

Ab dem 10. September 1963 wurde die Anlage britische Schule. Die technischen Installationen für das Hospital wurden nicht zurückgebaut, vermutlich um die Gebäude in einem Krisenfall (Kalter Krieg!) als Lazarett nutzen zu können. Erneut wurde angebaut, jetzt u.a. zwei Turnhallen, Aula und Mensa. In der Kent-School wurden 1400 Jugendliche unterrichtet. 270 von ihnen lebten dort im Internat. 50 Busse brachten täglich die Schüler zum Unterricht. Rechts vom Anstaltsfriedhof wurde im Zuge der Baumaßnahmen ein großer Busbahnhof errichtet.

Kent School Hostert Foto Zöhren
Straßenfront (1987)

Die Anfangszeit im ehemaligen Hospital war für Schüler und Lehrer nicht einfach. In „The Kent Chronicle“ berichtet 1965 ein Schüler aus der Klasse 2A humorvoll von seinem ersten Schultag in Hostert: Der von großen grauen Gebäuden, Mauer und Zaun eingefasste Schulhof erschien dem Jungen wie der Hof von Colditz, dem Gefangenenlager für britischen Offiziere in Sachsen (1940-45). Zwei Krankenzimmer für Privatpatienten, deren Trennwand  entfernt war, bildeten das winzige Klassenzimmer. Die Knöpfe, um die Krankenschwester zu rufen, waren überall noch vorhanden, ebenso das Leuchtschild: Operation! Kein Zutritt! …. Hier befand sich im Übrigen das Büro des Direktors.

Erneute Eigentümerwechsel

Infolge der allgemeinen Reduzierung der militärischen Einrichtungen endete Sommer 1991 die Nutzung von Waldniel-Hostert als britische Schule und der Bund bot die Liegenschaft einschließlich der Kapelle zum Kauf an. Diese hatte von 1947 an der Pfarre St. Mariae Himmelfahrt als Pfarrkirche gedient und war 1978 nach dem Neubau an der Waldnieler Heide entwidmet worden.

Foto Zöhren
Straßenfront (2006)

Die Gemeinde Schwalmtal stellte aus wirtschaftlichen Gründen n u r die Kirche und die beiden Gebäude von 1913 entlang der Straße unter Denkmalschutz, nicht aber die zurückliegenden mit der ehemaligen „Kinderfachabteilung“. Herbst 1991 plante die Landesregierung in Hostert eine Einrichtung für 500 Asylbewerber. Später fanden sich verschiedene Investoren. Gesprochen wurde von einer anspruchsvollen Gastronomie in der ehemaligen Kirche und dem anschließenden Verwaltungsblock, von einem Reiterhotel, einer Wellness-Oase, einer zu erbohrenden heißen Quelle, von einem Jugendhotel mit Harry Potter-Ambiente, von Baumhäusern…… Aber verwirklicht wurde bis heute nichts.

Foto Zöhren
BMH/Kent School

Im November 2006 wurde auf Betreiben der Gläubiger die Zwangsversteigerung durchgeführt. Der derzeitige Eigentümer Elmar Janßen, Nettetal, suchte bislang vergeblich nach einem Investor bzw. Käufer. Fast alle Gebäude werden seit 1991 nicht genutzt und verfallen allmählich durch eindringendes Regenwasser und durch Vandalismus. Allein einige kleinere Gebäude am Nordrand des Komplexes, Ställe und Hausmeisterwohnung, und die Weiden sind verpachtet. 2017 grasten hier wie in den Vorjahren Pferde.