Fronleichnam 2019

fronleichnam 2019, Gedenkstaätte Waldniel-Hostert
Vor der festlichen Messfeier auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof

„Aus den Dörfern und aus Städten von ganz nah und auch von fern folgten sie den Spuren Jesu, mal gespannt, mal eher skeptisch.“ Mit diesem modernen Kirchenlied begann der festliche Fronleichnamsgottesdienst auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof Waldniel-Hostert. „Eingeladen zum Fest des Glaubens“, so der Refrain des Liedes, kamen dort die Kommunionkinder, St. Josef-Schützenbruderschaft Hehler und viele Gläubige der Kirchengemeinde St. Mariae Himmelfahrt in Schwalmtal zusammen. Zelebrant war Father Joseph unterstützt durch Diakon Aymanns. Im Fürbittgebet wurde dem besonderen Ort Rechnung getragen. Im Anschluss an die Feier folgten die Prozession zur der Kirche an der Waldnieler Heide und der Schlusssegen.

Begegnung

Vorabend vom Fest Christi Himmelfahrt, Mittwoch, den 29. Mai 2019.

Martina Kupka, Maria-Lenssen Berufskolleg in Rheydt, fährt nach Hause. Gerade hat sie eine Studierende in Waldniel besucht und entschließt sich, wieder einmal die Gedenkstätte in Hostert zu besuchen. Zu diesem stillen Ort hat sie eine besondere Beziehung. Denn im Jahr 2016 haben fünfzehn Studierende des Kollegs die Theater-Collage „Die Kinder von Waldniel“ aufgeführt und 2017 haben ca. vierzig als Paten einen Namen geschrieben.
Nun steht sie vor Wand mit den vielen Namen, als Heribert Siegers kommt. Er hat soeben während der Messse in der nahen Kirche die Orgel gespielt. Auch er macht einen kleinen Umweg, bevor er nach Hause fährt.
Heribert Siegers ist Zeitzeuge. Er erzählt, als Schuljunge habe er beim Kirchgang regelmäßig den Anstaltfriedhof passiert und gesehen, wie die Zahl der Gräber von Sonntag zu Sonntag angewachsen sei. Dann habe er immer an einem hohem Zaun vorbeigehen müssen und dahinter Kinder gesehen. Ihr Aussehen wie ihr Verhalten habe ihn damals erschreckt.

Weitere Informationen zur Erinnerungsarbeit von Martina Kupka finden Sie in „Erinnerung geschieht gemeinsam„, Mandelbaum Verlag, 2019, S. 65ff.

Foto dokumentiert den Besuch der Gedenkstätte
Die Namen der Opfer der NS-Psychiatrie in Waldniel-Hostert sind gut zu entziffern. Die Plaketten leuchten in der Abendsonne – dank der gestrigen Arbeit der Schülerinnnen der Europaschule Schwalmtal. Foto: Peter Zöhren.

Europaschule bei der Arbeit

Dienstag, den 28. Mai 2019

Heute Morgen arbeitete eine zehnte Klasse der Europaschule Schwalmtal, die vor mehr als 30 Jahren die Patenschaft für die Gedenkstätte Waldniel-Hostert übernommen hatte, zwei Stunden lang auf diesem beeindruckenden Ort. Die jungen Leute entfernten das aufgewachsene Grün. und transportierten drei prallvolle 50 Liter Säcke ab. Einige harkten die Wege und kehrten Blätter und Blütenreste von liegenden Stelen. Andere wiederum bemühten sich mit Cola, Wasser und Zahnbürste die Plaketten auf der Stelenwand zu reinigen, damit die Namen der Opfer wieder gut zu lesen waren. Klar, dass die Zehntklässler die Namen zu entziffern suchten und ihnen auch die heute nicht gebräuchlichen Rufnamen wie z. B. Gottfried auffielen. Die Klassenlehrerin Symanski-Pape lobte ihre Schüler, sie hätten konzentriert und zielgerichtet gearbeitet, und meinte, bestimmt sei heute etwas mehr als im Schulunterricht hängen geblieben. (Fotos: Symanski-Pape).

Viel Besuch

Samstag, den 25. Mai 2019

Pensionierte Führungskräfte der Feuerwehr im Kreis Viersen besichtigten heute zusammen mit ihren Frauen auf einer Radtour den Anstaltsfriedhof und ließen sich über das Leiden der geistig und körperlich Behinderten und Kranken in der Anstalt Waldniel und die Gedenkarbeit vor Ort informieren. Herbert Dieker brachte im Namen der 30 Teilnehmer Dank und Anerkennung für die beeindruckende Gestaltung und das Bemühen, die Erinnerung wach zu halten, zum Ausdruck. Er befand: “ Die Gedenkstätte ist für unsere geschichtliche Aufarbeitung unerlässlich“.

Pensionierte Leitungskräfte der Feuerwehr im Kreis Viersen

Als die Gruppe sich verabschiedete, kamen drei junge Leute aus Dortmund zufällig auf den Anstaltsfriedhof. Sie hatten gerade das Gelände mit Kirche und einigen anderen Gebäuden (für 45 Euro Eintritt p.P. ) besichtigt. Jetzt wollten sie wissen, was es mit den vielen Namensplaketten auf der Stelenwand auf sich hätte.

Lutz Kaelber

Dienstag, den 14. Mai 2019

Lutz Kaelber, Jahrgang 1962, Soziologie-Professor in Vermont/USA, forscht zur kollektiven Erinnerung und hat sich spezialisiert auf die Verbrechen der Nationalsozialisten an Kindern. Er besuchte heute nach 2008 und 2010 zum dritten Mal die Gedenkstätte in Waldniel-Hostert. Ihn informierten Vertreter von Schule und Kommunalgemeinde über die Arbeit vor Ort. Vielleicht wird der Wissenschaftler auch zu Waldniel-Hostert und der neugestalteten Gedenkstätte einen Beitrag veröffentlichen.

Hubert van Horrick, Astrid Symanski-Pape, Hannelore Zöhren, Hermann-Josef Güldenberg, Lutz Kaelber, Kurt van der Flierdt (von links). Foto: Peter Zöhren.