Andreas Kinast in Düsseldorf

Andreas Kinast im Autorengespräch

18. März 2019, 18 bis 20 Uhr im Haus der Ärzteschaft, Tersteegenstr. 9, 40474 Düsseldorf

Ein Gespräch zwischen Frau Dr. Andrea Ditchen von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und Andreas Kinast, dem Autor des Buches „Das Kind ist nicht abrichtfähig, Euthanasie in der Kinderfachabteilung Waldniel, 1941 – 1943“ .

Das Gespräch ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung »erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus« . Diese wurde von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Kooperation mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Stiftung Topographie des Terrors entwickelt. Unter der Schirmherrschaft von Joachim Gauck, Bundespräsident a. D., orientiert sich die Ausstellung an der Frage nach dem Wert des Menschen und beschäftigt sich mit den gedanklichen und institutionellen Voraussetzungen der Morde.

Um Anmeldung wird gebeten. Bitte online unter www.kvno.de/dgppn. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Ihre Fragen zu der Ausstellung oder der Veranstaltung beantwortet Simone Greis unter: Telefon 0211 5970 8281 E-Mail veranstaltung@kvno.de

Quelle: Flyer der Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, Haus der Ärzteschaft, Tersteegenstraße 9 | 40474 Düsseldorf.




Erinnerung entsteht gemeinsam

Der von der Wiener Arbeitsgemeinschaft struber_gruber herausgegebene Begleitband zur Neugestaltung der Gedenkstätte „Erinnerung entsteht gemeinsam“ ist seit Anfang Februar im Buchhandel erhältlich und kostet 29 Euro. ISBN: 978385476-833-3

Cover, Mandelbaum-Verlag

„Die Gedenkstätte Waldniel-Hostert in Nordrhein-Westfalen erinnert an die Psychiatriepatient_innen, die dort während der NS-Zeit Opfer von Zwangssterilisation, Mangelernährung und »Euthanasie« wurden. In der Neugestaltung geben struber_gruber dem sozialen Aspekt des Erinnerns Raum, mehr als 700 Menschen wurden von ihnen einbezogen.

Die aufwendig gestaltete Publikation rückt die unsichtbaren und flüchtigen Momente der Beteiligungsprozesse ins Blickfeld. Zahlreiche Abbildungen begleiten sämtliche Entstehungsstufen bis hin zur realisierten Gedenkstätte. Im Rahmen von Interviews schildern Mitwirkende die Bedeutung ihrer Teilnahme an dem Projekt. Ergänzend geben fachliche Beiträge einen Einblick in die historischen Hintergründe und reflektieren die Neugestaltung aus kunst- und architekturtheoretischer Sicht.“ (Bucheinband/Rückseite)

Im Vorwort beschreibt Ulrike Lubek, die Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland, mit sehr persönlichen Worten ihre Annäherung an Waldniel-Hostert und die Gräueltaten. Sie würdigt die Tatsache, dass „hier über Jahrzehnte hinweg ein Gedenken aufrecht erhalten wurde“, und den Prozess, der zu der Neugestaltung der Gedenkstätte durch den LVR unter der Beteiligung von mehr als 700 Personen führte.

„Mit den auf der Gedenkmauer angebrachten Bronzeplaketten wurde“, so Lubek, „ein Kunstwerk geschaffen, das die Individualität und Persön­lichkeit jedes einzelnen hier ermordeten Menschen ausweist und seiner Würde Raum gibt. Damit wurde nicht nur die Anonymität der hier Ermordeten durchbrochen, sie wurden endgültig auch dem Vergessen entrissen“. .. Sie „danke der Künstlerin Katharina Struber und dem Architekten Klaus Gruber für ihre wunderbare Idee zur Gestaltung dieses indivi­duellen Gedenkens“.


Holocaust-Gedenken 2019

Jedes Jahr Ende Januar erinnern sich wie in ganz Deutschland auch die Menschen in Schwalmtal der Ermordung von Millionen Juden und anderer Gruppen während der Zeit des Nationalsozialismus. In Waldniel-Hostert liegt der Fokus des Gedenkens auf dem Leid und dem Sterben in der Psychiatrie. Seit dem Jahr 1997 gestaltet die Hauptschule der Gemeinde, heute Europaschule, die öffentliche Feier.

„Erinnerung geschieht gemeinsam“

Es regnet. Der Himmel ist dunkel. Fast 350 Menschen haben sich in der Kirche St. Mariae Himmelfahrt, Waldniel Heide, versammelt, Neun- und Zehntklässler aus Schwalmtal, junge Menschen des Berufskollegs Viersen und der Maria-Lenssen-Schule in Mönchengladbach und zahlreiche Bürger. Sie alle sind der Einladung der Europaschule Schwalmtal gefolgt, die Erinnerung an die Opfer in der NS-Tötungsanstalt Hostert wachzuhalten und ein Zeichen zu setzen für das Leben.

Zu Beginn begrüßte Diakon Franz-Josef Cohnen als „Hausherr“ die Anwesenden, namentlich Pastor Arne Thummes der evangelischen Gemeinde Waldniel, die bildende Künstlerin Katharina Struber und den Architekten Klaus Gruber aus Wien, deren Entwurf sich im Rahmen eines Wettbewerbes gegen sieben andere Entwürfe durchgesetzt hatte, Dr. Arie Nabrings als Ruheständler, der als Leiter des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums Brauweiler den Prozess der Neugestaltung der Gedenkstätte von 2012 an über fünf Jahre lang konstruktiv begleitete hatte, und Dr. Mark Steinert als dessen Nachfolger, der jetzt im LVR als Ansprechpartner für die Gedenkstätte fungiert.

Bürgermeister Michael Pesch dankte den Schulen, dass sie mit ihrer Arbeit die Erinnerung weitertragen. Denn politische Strömungen, die 1933 zur Folge hatten, seien heute wieder sichtbar. Ihnen frühzeitig entgegenzutreten sei wichtig. Die Erinnerungsarbeit der Schulen sei das Mittel, die Geschichte von Waldniel-Hostert in das Bewusstsein der Menschen zu heben. Pesch betonte: „Die Gedenkfeier und die Gedenkstätte sind ein wesentlicher Teil der Erinnerungskultur der Gemeinde Schwalmtal“.

Struber_Gruber überreichten dem Bürgermeister das Buch „Erinnerung entsteht gemeinsam“, welches als Begleitband zur Neugestaltung der Gedenkstätte im Mandelbaum-Verlag, Berlin- Wien, gerade erschienenen ist.

Schüler_innen der zehnten Klassen der Europaschule und ihre Lehrerin Astrid Symanski-Pape trugen Gedanken zum Umgang mit Behinderung und Krankheit vor, deren Widersprüchlichkeit mit Hilfe einer großen Balkenwaage anschaulich gemacht wurde.

Im Anschluss an die Gedenkstunde in der Kirche schloss sich der Gang zur nahegelegenen Gedenkstätte an. Vor der schwarzen Wand mit den 553 Namensplaketten sprachen Schüler_innen ein Fürbittgebet und legten Blumensträuße nieder. Mit einem gemeinsamen Vaterunser schloss die Feier zum Holocaust-Gedenktag 2019.


Berichte in der Presse:
Rheinische Post Viersen v. 30. Januar
Grenzland-Nachrichten Nettetal v. 31. Januar


Fotos: Peter Zöhren. Cover: Mandelbaumverlag