Goethestraße

Dreißig Grad im Schatten hielt die Nachbarschaft der Goethestraße in Schwalmtal nicht ab, die Gedenkstätte in Hostert zu besuchen und sich eingehend über das Leiden der Patienten in den NS-Psychiatrien wie Waldniel informieren zu lassen. Das zufällig ausgewählte Datum passte gut zum Thema. Es war nämlich der Vortag zum 1. September, auf den vor 80 Jahren Hitlers geheimer „Euthanasie-Erlass“ datiert wurde, welcher die Ermordung der geistig Kranken und Behinderten im NS-Herrschaftsgebiet legitimieren sollte.

Kalmenhof/Idstein

Hermann Wesse war als Tötungsarzt neun Monate in der Kinderfachteilung Waldniel tätig. Nach ihrer Auflösung im Juli 1943 fand er etwa ein Jahr später einen Arbeitsplatz im Kalmenhof in Idstein/Taunus. In dieser Kinderfachabteilung war er an der Ermordung von mehr als 700 geistig und körperliche behinderten Kindern und Jugendlichen beteiligt.

Das ZDF berichtete am 14. August im Heute-Journal über die aktuellen Bemühungen vor Ort, ein angemessenes Gedenken auf den Weg zu bringen. Mittels Geo-Radar wurden auf dem Gelände des ehemaligen Anstaltsfriedhofs in 60 bis 120 cm Tiefe Gräber gefunden. Gedacht ist die Namen der Opfer zu nennen – In Waldniel-Hostert sind sie seit dem 29. Mai 2018 öffentlich.
Zum Beitrag aus dem Heute-Journal vom 14. August 2019

Untersuchung des Geländes mittels Geo-Radar (Quelle: ZDF Heute-Journal v. 14.08.2019)

LVR: Medienpaket 4

Bettina Bouresh, Frank Sparing (Red.)
„Mein Gewissen ist rein…“ Der Umgang mit Tätern der NS-Euthanasie im Rheinland. Köln 2019
Im März 2019 veröffentlichte das Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland dieses Medienpaket, das sich mit dem Umgang mit den Tätern der NS-Euthanasie auseinsetzt.

“ Die neue Publikation widmet sich der Frage nach den Verantwortlichen der NS-Euthanasie, also dem ärztlichen und pflegerischen Personal, das dazu beitrug, die Krankenmorde in den psychiatrischen Anstalten zu organisieren und durchzuführen bzw. persönlich beteiligt war. In fünf Kapiteln werden Nachwirkungen der NS-Verfolgung auf Psychiatriepatientinnen und -patienten sowie der Umgang mit Entnazifizierung und Strafverfolgung von Anstaltsärzten thematisiert. Anhand von biographischen Beispielen werden die Bedingungen und Verläufe von Nachkriegskarrieren belasteter Psychiater in den Blick genommen“ (Pressemeldung des LVR vom 18. März 2019) .

Bislang sind vier Medienpakete erschienen. Für Bildungseinrichtungen sind sie kostenfrei. Bestellungen bitte per Mail an archiv@lvr.de.

Trailer zu Band 2 „Kinder müssen schlafen nachts“.