27. Januar 2026

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erinnerte die Gemeinschaftshauptschule Schwalmtal mit einer Gedenkfeier an die Opfer, zuerst in der Kirche St. Mariae Himmelfahrt, Waldnieler Heide, dann auf der Gedenkstätte, dem ehemaligen Anstaltsfriedhof Hostert.

Der Rat der Gemeinde Schwalmtal hat im Jahr 1987 die Patenschaft für die damals entstehende Gedenkstätte der Hauptschule übertragen.


Die RP Viersen (Sroka) berichtete ausführlich am 28. Januar:
In der Kirche ….. trugen Luca und Nicha; Klasse 10b, abwechselnd typische Aussagen und dazu passende Reaktionen, wenn es um das Thema Gräueltaten während des Nationalsozialismus geht, vor. „Das ist schon so lange her, was habe ich heute damit zu tun?“ „Es sollte uns für die heutige Zeit interessieren, damit sich so etwas nicht wiederholt.“ Oder auch: „Das ist Geschichte von gestern.“ „Ich bin für das verantwortlich, was in der Zukunft passiert.“ Auch wurden fiktive Briefe vorgelesen, die die 99 Kinder möglicherweise geschrieben haben könnten, die in der …….. Kinderfachabteilung Waldniel von 1941 bis 1943 systematisch ermordet wurden. Die Kinder waren den Eltern weggenommen worden, etwa weil sie am Downsyndrom oder an anderen Behinderungen litten. Diese Briefe hatten die Schüler der 10b in Vorbereitung der Gedenkfeier selbst verfasst“.

Auch an der Kranzniederlegung an der Gedenkmauer am ehemaligen Anstaltsfriedhof nahmen die Bürgermeister des Westkreises Andreas Gisbertz für Schwalmtal, Thomas Ricker für Niederkrüchten und Marcel Johnen für Brüggen teil sowie der Ärztliche Direktor der Psychiatrie Viersen Dr. Ralph Marggraf. In der NS-Zeit gehörte die Abteilung Waldniel zu dieser Einrichtung.

Zum Ende seiner Ansprache wandte sich AndreasGisbertz an die jungen Leute und dankte ausdrücklich der Hauptschule, die die jährliche Gedenkfeier mit den Schülern organisiere und gestaltete. „Ohne euch wäre dieses Stück Erinnerungskultur nicht da“, so der Bürgermeister.

Den Schlusspunkt der Veranstaltung setzte die Religionslehrerin Nicole Heine mit einem mahnenden Impuls.

Achte auf Deine Gedanken
denn sie werden zu Worten
Achte auf Deine Worte
denn sie werden zu Handlungen
Achte auf deine Handlungen
denn sie werden zu Gewohnheiten
Achte auf Deine Gewohnheiten
denn sie werden Dein Charakter
Achte auf Deinen Charakter
denn er wird Dein Schicksal

Demokratische Resilienz 2025

Im Rahmen von Informationsveranstaltungen zur „Demokratischen Resilienz“ des Polizeipräsidiums Mönchengladbach im Jahr 2025 nahmen am 12. November ca. 30 Mitarbeiter des Hauses an einer Führung zur NS-Geschichte von Waldniel-Hostert teil. Zunächst informierten Astrid Symanski-Pape, Hannelore und Peter Zöhren in der Kirche St. Mariae Himmelfahrt Waldnieler-Heide über die Verbrechen an geistig Kranken und Behinderten, Kindern und Erwachsenen, in der Anstalt und die Erinnerungsarbeit vor Ort. Auf der Gedenkstätte schloss die eineinhalbstündige Veranstaltung mit einer Schweigeminute zum Opfergedenken.

Am 3. , 5. und 15. Dezember nahmen drei weitere Gruppen des Polizeipräsidiums mit jeweils ca. elf Teilnehmern das oben dargestellte Fortbildungsangebot zur „Demokratischen Resilienz“ wahr.

8. Mai 2025

Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa.

Am 80. Jahrestag des Kriegsendes hat der DGB Lehrerinnen, Lehrer, Schülerinnen und Schüler von sieben Schulen aus dem Kreisgebiet zum gemeinsamen Gedenken nach Hostert eingeladen.

Die Gemeinde Schwalmtal wurde durch den Bürgermeister Andreas Gisbertz (CDU) und den stellvertretenden Bürgermeister Heinz-Josef Pascher (SPD) vertreten.

Klaus Neufeldt (DGB) und Bürgermeister Gisbertz betonten in ihren Ansprachen, dass sich aus dem Gedenken an den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus die Wachsamkeit gegenüber demokratiefeindlichen Bestrebungen heute ergeben müsse.

Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Waldniel präsentierten Plakate und erinnerten an die Gräuel der NS-Zeit in Hostert.

Alle Anwesenden gedachten in einer Schweigeminute der Opfer des Krieges und legten einen Kranz nieder.

Anneliese A.

Als Dirks Tante starb, fand er in ihrem Nachlass das Stammbuch seines Großvaters. Er blätterte darin und entdeckte, dass er noch eine Tante gehabt hatte mit Namen Anneliese. Sie war das erste Kind seiner Großeltern und verstarb mit 15 Jahren in Waldniel-Hostert. Niemand in der Familie hatte je von ihr gesprochen und jetzt waren alle tot, die er hätte fragen können.

Eine Internet-Recherche führte Dirk auf die Website von waldniel-hostert.de. Über das Kontaktformular bekam er nähere Auskunft. Die Todesbescheinigung der Kinderfachabteilung (Kreisarchiv Viersen) bescheinigte Anneliese erworbenen Schwachsinn. Sie habe an Tetraplegie (Lähmung aller vier Extremitäten) gelitten und sei an Marasmus (Auszehrung) gestorben. Unterschrieben hatte Wesse, „Tötungsarzt“ in Hostert.

Gestern reisten Dirk und seine Partnerin mit Zug und Bahn aus München an, um auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof, der heutigen Gedenkstätte, der Tante Anneliese die letzte Ehre zu erweisen.

38 Jahre Patenschaft

38 Jahre ist die Schwalmtaler Hauptschule Patin der Gedenkstätte für Opfer der NS-Euthanasie. Heute gestalteten wie im Vorjahr junge Leute aus den 9. und 10. Klassen mit ihren Lehrerinnen Nicole Heine und Nicola Münter und Bewohner der Lebenshilfe Brüggen eine Gedenkfeier, zu der die SchülerInnen von Realschule und Gymnasium und die Öffentlichkeit eingeladen waren. Die Leiter dieser Schulen, die Bürgermeister der drei Nachbargemeinden, Vertreter der Lebenshilfe Viersen sowie viele Bürger waren gekommen.

Die SchülerInnen hatten sich in einem Workshop im Rathaus mit dem Thema „Euthanasie“ in Waldniel-Hostert auseinandergesetzt und das Schicksal einzelner Opfer in Bilderrahmen sichtbar gemacht.
Klientinnen der Lebenshilfe und Schülerinnen der Hauptschule fertigten darüber hinaus einen großen Kranz. „Die weißen Blumen stehen für Unschuld, das Grün für Leben“, trugen sie in der Kirche vor. Auf der Gedenkstätte wurde dann der Kranz vor der Mauer mit den Namen der Opfer aufgestellt.
Ebenso legten Vertreter der Deutschen Post AG, NL Betrieb Düsseldorf, einen schönen Kranz nieder.